Carnivora, Raubtiere

 

Die Ordnung der Carnivora (Raubsäuger) umfasst ca. 270 Arten, aus acht Familien (ohne Wasserraubtiere) und 91 bis 94 Gattungen. Zu den Familien gehören: Canidae (Wölfe), Ursidae (Bären), Procyonidae (Kleinbären), Mustelidae (Marderartige), Herpestidae oder Viveriidae (Schleichkatzen), Hyaenidae (Hyänen), Felidae (Katzen), Phocidae (Hundsrobben), Otariidae (Ohrenrobben) (URL 1).

 

Die Vertreter dieser Ordnung sind weltweit verbreitet (mit Ausnahme der Antarktis und einiger Inseln). Sie sind meist mittelgroße, seltener große oder kleine bis sehr kleine Tiere. Raubsäuger sind überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv und nutzen  als Bodentiere (in überwiegender Mehrzahl) selbstgegrabene, teils in Nachnutzung bewohnte Erdbaue (Niethammer & Krapp 1993). Raubsäuger besitzen hoch entwickelte Sinnesorgane mit sehr gutem Riechsinn, Gehörsinn und Tastsinn (Dieterlen 2005).

 

Der Schädelbau ist ökomorphologisch an den Lebensraum und Nahrungserwerb angepasst. Die Augen sind nach vorne gerichtet. Sie besitzen ein charakteristisches Raubtiergebiss mit kräftigen Canini (Fang- oder Reißzähnen) und einer Beiß-/Brechschere im Molaren- bzw. Prämolaren-Bereich. Die Backenzähne sind mit scharfen Spitzen (tuberculosectorial) ausgestattet. Seltener besitzen sie breite Mahlflächen (Dieterlen 2005, Niethammer & Krapp 1993). 

 

Die meisten Arten sind als Konsument zweiter oder dritter Ordnung nahrungsökologisch vorwiegend carnivor. Da der Bau des Kiefers keine mahlenden Bewegungen erlaubt, wird die Nahrung, z.B. Fleischbrocken, ungekaut hinuntergeschlungen (Dieterlen 2005). Saisonal ist die Ernährung z.T. auch ausgesprochen herbivor oder omnivor (z.B. Dachs und Bären) (EOL2013). Bei Bären und einigen Musteliden findet eine verzögerte Implantation der Blastozysten statt. Bei einzelnen Arten (z.B. Hermelin, Eisfuchs) ist ein starker Saisondimorphismus in der Haarfärbung zu beobachten (Niethammer & Krapp, 1993).

 

Im Untersuchungsgebiet kommen folgende FFH-Arten der Carnivora vor:

  • Seehund (Phoca vitulina) (Anhang II, IV, V)
  • Kegelrobbe (Halichoerus grypus) (Anhang II, IV, V)
  • Wolf (Canis lupus) (Anhang II, IV, V)
  • Baummarder (Martes martes) (Anhang IV, V)
  • Iltis (Mustela putorius) (Anhang IV, V)
  • Fischotter (Lutra lutra) (Anhang II, IV, V)

 

 

Auf der Roten Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Säugetierarten von 1991 sind folgende Carnivora aufgelistet (Heckenroth, 1993):

  • Wolf (Canis lupus)
  • Braunbär (Ursus arctos)
  • Baummarder (Martes martes)
  • Iltis (Mustela putorius)
  • Nerz (Lutreola lutreola)
  • Dachs (Meles meles)
  • Otter (Lutra lutra)
  • Wildkatze (Felis silvestris)
  • Luchs (Lynx lynx)
  • Seehund (Phoca vitulina)
  • Ringelrobbe (Phoca hispida)
  • Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

 

Autorin: Birte Sänger, 11.01.2014

Hermelin (Mustela erminea) am Oberneulander Schnabel in Bremen. April 2018.

Foto: Oliver Brockmann

Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Landschaftsschutzgebiet Rohrniederung in Bremerhaven. Mai 2017.

Fotos: Oliver Brockmann


 

Heckenroth, H. (1993): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Säugetierarten: 1. Fassung vom 1.1.1991. – Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen, Hannover, 13 (6), 221-226. 

 

Dieterlen, F. (2005). Ordnung Raubtiere (Raubsäuger, Beutegreifer) (Carnivora). In: Braun, M. & Dieterlen, F. (Hrsg.): Die Säugetiere Baden-Württembergs: Band 2. – Eugen Ulmer GmbH & Co. Stuttgart, 704 S.

 

Niethammer, J. & Krapp, F. (1993) (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas: Band 5/I Raubsäuger (Teil 1). – Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 529.

 

URL 1: EOL (2013). Carnivora – Carnivores. – In: Enzyclopedia of Life. Veröffentlicht im World Wide Web unter: http://eol.org/pages/7662/overview [11.01.2014].