Meersäugererfassung

 

Zur Erfassung von Meeressäugern können verschiedene Methoden angewendet werden:

 

Unterwasser Akustik

 

Akustische Erfassungen beinhalten die Verwendung eines Hydrofons. Dieses ist in der Lage Töne verschiedener Frequenzen aufzunehmen, die von spezifischen Meeressäugern zur Kommunikation oder Jagd verwendet werden. Abhängig von der verwendeten Frequenz, hören die Hydrofone Töne der Tiere in einem Volumen, das viele Kilometer groß sein kann. Die angehäufte Zeit, in der eine bestimmte Art in diesem Volumen zu hören ist, ist eine Funktion davon, wie viele Tiere präsent/anwesend sind. So kann die Dichte daraus berechnet werden, die Anzahl der Tiere durch die horizontale Oberfläche des Volumens zu Teilen. Diese Methode ist gut für die Erfassung von Walen geeignet (Conatrino et al. 2010).

 

Visuelle Beobachtung

 

Bei visuellen Beobachtungen werden häufig Flächen zugeordnet, die mit Ferngläsern beobachtet werden. Diese Flächen haben meist die Form eines Tortenstückes und können aus einem Flugzeug heraus, von einem Schiff oder festen Punkt  beobachtet werden. Während der Erfassung werden Anzeichen oder Indikationen gezählt, die darauf hinweisen, dass Meeressäuger präsent sind. Anzeichen können Fontänen/Sprühstoße, das Schlagen der Schwanzflosse oder Sprünge sein. Erkennt der Beobachter eines dieser Anzeichen, werden Zeit, verhalten, Art und Position notiert (Conatrino et al. 2010).

 

Für Gebiete, über die nur sehr wenige Informationen bekannt sind, können die Sammlung von Daten über zufällige Sichtungen oder Strandungen der erste Schritt zur Erstellung einer Artenliste und ein grobes Maß für Status und saisonale Unterschiede in der Abundanz sein. Es liefert jedoch keine quantitativen Daten für die Beurteilung von Populations-Änderungen und ist ohne Informationen über Aufwand und Sichtungen oft schwer zu interpretieren. Jedoch liefert es für geringe Kosten Basiswissen und kann die Aufmerksamkeit auf Gebiete oder Jahreszeiten lenken für die sich verfeinerte Erfassungsmethoden eignen (Evans & Hammond, 2004).

 

Die Beobachtung und Erfassung von Robben und Seehunden kann am besten durchgeführt werden, wenn die Tiere sich an Land befinden, da sie sich dort die meiste Zeit (in bestimmten Jahres und Tageszeiten) über aufhalten. Erfasst man eine Komponente der Population (z.B. die Anzahl der Heuler), kann das Verhältnis zwischen dieser Komponente und der totalen Populationsgröße dafür verwendet werden um die Größe der gesamten Population in einem Gebiet einzuschätzen. Gegebenenfalls können auch Flugzeuge, Helikopter oder Schiffe eingesetzt werden, um Zählungen durchzuführen. Vor der Wahl dieser Methode sollten die Kriterien Verfügbarkeit, Sichtweite, Sicherheit, Kosten und Geschwindigkeit berücksichtigt werden (Laws, 2009).

 

Foto-Identifizierung

 

Basis dieser Methode sind qualitativ gute Fotografien. Sie sollten von solcher Qualität sein, um einzelne Individuen auf späteren Aufnahmen wiederzuerkennen. Als Erkennungsmerkmal sind dafür die Rücken- und Schwanzflosse von Walen gut geeignet (Abb. 1). Jedoch ist es nicht möglich jedes einzelne Individuum zu unterscheiden, da nicht alle Tiere charakteristische Merkmale aufweisen (Evans & Hammond, 2004).

 

Automatisierte elektrooptische Überwachung aus der Luft

 

Diese Erfassungsmethode verwendet eine Reihe von Multispektral-Kameras. Sie werden in einem Winkel von ca. 40 Grad an der Seite eines Flugzeuges angebracht. Diese Kameras sind in der Lage Tiere bis in eine bestimmte Tiefe der Wassersäule zu erfassen. Die Tiefe ist jedoch abhängig von der Klarheit des Wassers. Bei klarem Wasser können Erfassungen bis zu 50 Meter tief erfolgen. Beim Überfliegen einer Strecke nimmt die Kamera Fotografien auf und verarbeitet diese (Abb. 2) (Contarino et al., 2010).

 

Alle dieser Methoden haben Vorteile und sind abhängig vom Verständnis des charakteristischen Verhaltens jeder involvierten Art (z.B. Verhalten von Tauchmustern, Nahrungssuche und Migration) (Contarino et al., 2010).

 

Autorin: Birte Sänger, 05.01.2014

Abb. 1: Rückenflosse eines Schweinswals.

Foto: Lutz Ritzel

Abb. 2: Beobachtung von untergetauchten Tieren vor und nach Bearbeitung des Systems von Multispektralkameras.

Foto: Contarino et al. (2010)


Contarino, V. M., Podobna, Y., Schoonmaker, J., Boucher, C. (2010). Techniques for Determining Marine Mammal Densities, Oceans 2010, 1-5.

 

Evans, P. G. H. & Hammond, P. S. (2004). Monitoring cetaceans in European waters. Mammal Review, 34 (1), 131-156.

 

Laws, R. M. (Ed.). (2009). Antarctic seals: research methods and techniques. Cambridge University Press.