Gewöllanalysen

 

Gewölle bestehen aus unverdaulichen Resten (Haare, Federn, Chitin Anteile von Insekten) der Nahrung von Greifvögeln und Eulen. Sie werden im Magen zu Ballen geformt und später durch die Speiseröhre ausgewürgt. Gewölle werden daher auch als „Speiballen“ bezeichnet. Anders als bei Gewöllen von Greifvögel werden bei Gewöllen von Eulen die Knochen während der Verdauung nicht zersetzt (Abb. 2) (März, 2007).

 

Zudem sind die Art und Anzahl der Beutetiere genau belegbar und in den meisten Fällen reichen diese Knochen zur Bestimmung der Arten aus. Somit haben die Gewölle der Eulen einen wesentlich höheren Aussagewert für die Untersuchung der Nahrungszusammensetzung (März, 2007).

 

Die Identifizierung von Kleinsäugerknochen aus Gewöllen ist eine indirekte Methode zur Erfassung von Kleinsäugern. Gewölle reflektieren nicht nur das Jagd- und Fressverhalten des Prädatoren, sondern sind auch einsetzbar für die Untersuchung der Systematik, geographischen Verbreitung und Populationsökologie der Beutetiere (Avenant, 2005). Durch die Messung der Unterkieferlänge können Altersgruppen bestimmt werden und Einblicke in den jahreszeitlich wechselnden Altersanteil werden ermöglicht. So lässt sich aus dem winterlichen Verschwinden der älteren Tiere die mittlere Lebensdauer bestimmen. Dies setzt jedoch eine regelmäßige Gewölle-Aufnahme voraus (Zimmermann, 1952).

 

Nach Avenant (2005) kann durch Gewölle (z.B. der Schleiereule) eine größere Vielfalt an Kleinsäugerarten untersucht werden, als durch Fallenfänge. Trotz dessen sollte die Analyse von Gewöllen nicht als Alternative für Fänge von Kleinsäugern durch Fallen gesehen werden, wenn der Fokus der Untersuchung auf der Struktur der Kleinsäuger Population liegt (Avenant, 2005).

 

Zur Bestimmung der Beutetierknochen kann folgende Bestimmungsliteratur verwendet werden:

  • Jenrich, J., Löhr, P. W., Müller, F. (2012). Bestimmungsschlüssel für Kleinsäugerschädel aus Gewöllen. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 45 S.
  • Wuntke, B.; Müller, O. (2002). Gewölle. Wirbeltiere in Gewöllen der Schleiereule (Tyto alba). Deutscher Jugendverbund für Naturbeobachtung (DJN) (Hrsg.), Hamburg, 38 S.

 

 

Autorin: Birte Sänger, 05.01.2014

  

Eulengewölle mit Vogel- und Kleinsäugerüberresten aus Lindernerfeld.

Foto: Corinna Steffensen

Aus einem Gewöll geborgener Ober- und Unterkiefer einer Erdmaus.

Foto: Jasmin Kleißen


Avenant, N. L. (2005). Barn owl pellets: a useful tool for monitoring small mammal communities? Belgian Journal of Zoology, 135, 39-43.

 

März, R (2007). Gewöll- und Rupfungskunde. Nachdruck der 3.K. Banz bearbeiteten Auflage, AULA-Verlag GmbH, Wiebelsheim, 398 S. 

 

Zimmermann, K. (1952). Gewölle und Kleinsäuger-Forschung. Journal of Ornithology, 93(2), 136-137.