Wildkameraaufnahmen

 

Bei dieser Methode werden fest installierte Kameras verwendet, die durch Infrarot Sensoren oder Bewegungen ausgelöst werden, um vorüberwandernde Tiere zu erfassen und zu fotografieren (Abb. 1 und 2). Auch Videoaufnahmen sind mit den Kameras möglich  (Manzo et al. 2012).

 

Wichtig ist die richtige Platzierung der Kameras, da diese nur einen begrenzten Erfassungsbereich besitzen und daher nicht willkürlich aufgestellt oder angebracht werden sollten. Zur Maximierung des „Fangerfolges“, kann die Kamera in der Nähe einer Spur, eines Weges oder z. B. an Wasserlöchern platziert werden, die dafür bekannt sind, dass sie von der Art benutzt werden. Es kann auch mit Lockstoffen oder Ködern gearbeitet werden (Rowcliff et al. 2008).

 

Nach Rowcliff et al. (2008) ist es eine nicht invasive Technik mit relativ geringen Anschaffungskosten und minimalen Störungen der Umwelt. Sie ist widerstandsfähig zu Veränderungen von Bodenbedingungen und Klima. Die Methode kann auch genutzt werden, um Informationen über seltene Arten in schwer zugänglichen Gebieten zu erhalten (Manzo et al. 2012). Zudem findet eine Kontinuierliche Erfassung von Fotos und Videos allein durch ein einzelnes Gerät statt, welches nur durch ihre Speicherkapazität und Batterieleistung begrenzt ist. Es ist eine präzise Aufzeichnung von Datum und Zeit jeder Erfassung, mit einem begrenzten Aufwand möglich. Auch beugt diese Methode Störungen durch Beobachter vor (Di Cerbo & Biancardi 2012).

 

Allerdings ist es möglich, dass die Kamera abschreckend wirkt oder das Blitzlicht Tiere verscheucht. Zur Lösung dieses Problems können anstelle von Blitzlichtkameras Infrarot Kameras verwendet werden. Bei tagaktiven Tieren kann es reichen, den Blitz abzuschalten und sich auf das natürliche Licht zu verlassen. Wenn ein Tier innerhalb des Erfassungsbereichs der Kamera verweilt oder eine größere Gruppe den Bereich über einen längeren Zeitraum passiert, können mehrere Fotos aufgenommen werden. Um dieses Problem zu minimieren, kann die Kamera so eingestellt werden, dass sie nach jedem Auslösen für 2 Minuten inaktiviert wird. Dabei besteht das Risiko, dass in der Zwischenzeit Tiere, die die Kamera passieren, nicht aufgenommen werden und „verloren gehen“ (Rowcliff et al. 2008).

 

Neben der Erfassung von größeren und mittelgroßen Säugetieren können nach Paull et al. (2012) die Kameras auch für die Erfassung von Kleinsäugern verwendet werden. Sie bieten ethische Vorteile gegenüber direkten Erfassungsmethoden (z.B. Käfigfallen). Nach Di Cerbo & Biancardi (2012) könnten Kamerafallen auch für auf Bäumen lebende Arten (z.B. Eichhörnchen) anwendbar sein. In Anbetracht der Möglichkeit der Fehlbestimmung von eng verwandten Arten (aufgrund von ähnlichen kutikulären Mustern und medullären Strukturen) (Teerink 1991) und der notwendigen Zeit und Kosten für Haar-Analysen, könnten Kamerafallen auch für auf Bäumen lebende Arten effektiver als Haarfallen sein (Di Cerbo & Biancardi 2012). Nach Bartolommei et al. (2012) sind Kamerafallen die effektivste indirekte Methode zur Erfassung von Marderartigen (z.B. Baummarder, Martes martes).

 

Vorteil dieser Erfassungsmethode ist es, dass sie für ein großes Artenspektrum angewendet werden kann. Kamerafallen sind gleichermaßen effizient, um Daten am Tag und in der Nacht zu erfassen. Diese Methode bietet die Möglichkeit zusätzliche Informationen über die Verbreitung der Art, der Habitat-Nutzung, Populationsstruktur und Verhalten zu erhalten (Rowcliff et al. 2008).

 

Autorin: Birte Sänger, 04.01.2014 

Abb. 1: Wildkameras der Hochschule Bremen im Einsatz während eines Säugetierprojektes im Herbst 2018

Foto: Franziska Bockelmann

Abb. 2: Wildkameraaufnahme am Tag. Rehbock (Capreolus capreolus) im Kleingartengebiet im Grünen Bremer Westen. Foto: ISTAB- StudentInnen Lisa Bienek, Franziska Bockelmann, Fenja Hinrichs, Jasmin Kleißen, Simon König und Corinna Steffensen

Wildkameraaufnahme bei Nacht. Marder (Martes sp.) im Kleingartengebiet im Grünen Bremer Westen.

Foto:  ISTAB- StudentInnen Lisa Bienek, Franziska Bockelmann, Fenja Hinrichs, Jasmin Kleißen, Simon König und Corinna Steffensen


Bartolommei, P., Manzo, E., Cozzolino, R. (2012). Evaluation of three indirect methods for surveying European pine marten in a forested area of central Italy. Hystrix, the Italian Journal ofMammalogy, 23 (2), 90-92.

 

Di Cerbo, A. R. & Biancardi, C. M. (2012). Monitoring small and arboreal mammals by camera traps: effectiveness andActa Theriologica, 58 (3), 279-283.

 

Manzo, E., Bartolommei, P., Rowcliffe, J. M., Cozzolino, R. (2012). Estimation of population density of European pine marten in central Italy using camera trapping. Acta Theriologica, 57 (2), 165-172.

 

Paull, D. J.; Claridge, A. W.; Cunningham, R. B. (2012). Effective detection methods for medium-sized ground-dwelling mammals: a comparison between infrared digital cameras and hair tunnels. Wildlife Research, 39 (6), 546-553.

 

Rowcliff, J. M., Field, J., Turvey, S. T., Carbone, C. (2008). Estimating animal density using camera traps without the need for individual recognition. Journal of Applied Ecology, 45 (4), 1228-1236.

 

Teerink, B. J. (1991). Hair of West-European mammals. Cambridge University Press, Cambridge.