Spuren und Fährten

 

Während man Pflanzen leicht beobachten und kartieren kann, ist es gleich viel schwieriger, dass man größere Säugetiere zu sehen bekommt. Dies liegt unter anderem an der Nacht- und Dämmerungsaktivität der Tiere und daran, dass diese sehr scheu sind und bei der geringsten Störung verschwinden. Durch Fußabdrücke, Baue, Nester oder Fraßspuren lassen sich viele Säugetierarten nachweisen, wie z.B. Fraßspuren von Bibern und Eichhörnchen, Baue von Füchsen und Dachsen oder Tierspuren vom Feldhasen (Bang & Dahlström, 1973).

 

Die meisten Spuren haben allerdings nur eine kurze Lebensdauer, da sie schnell verwischt werden oder verschwinden. Im Idealfall sind Tierspuren im frischen Schnee zu beobachten. In Zentimeter dickem, feinkörnigen und nicht zu nassen und Schnee treten die Spuren klar und scharf hervor. So können die charakteristischen Einzelheiten der verschiedenen Spuren leicht abgelesen werden. Nach Zielinski & Kucera (1995) sollte bis zum zweiten Morgen nach Schneefall gewartet werden, damit sich Spuren ansammeln können (Bang & Dahlström, 1973; Zielinski & Kucera, 1995).

 

In losem Frostschnee verwischen die Ränder der Spuren schnell, in hohem Schnee treten die Spuren wie tiefe Löcher hervor und sind schwierig zu deuten. Bei Tauwetter wird die Spur schnell vergrößert, da die Ränder am schnellsten auftauen. So wird man leicht verleitet zu glauben, dass die Spur von einem wesentlich größeren Tier stammt. Wenn jedoch kein Schnee liegt ist es wesentlich schwieriger, die Spur eines Tieres zu finden und zu bestimmen. So sollte in schneefreien Zeiten an Orten ohne Pflanzen und in der Regenzeit nach Spuren gesucht werden. Die besten Abdrücke sind auf feuchten, schwach lehmigen Boden aber auch im nassen Sand zu finden (Bang & Dahlström, 1973; Zielinski & Kucera, 1995).

 

Bei Spuren von Tieren mit Pfoten und Krallen sollte man auf die Zahl der Zehen, der Krallen, Form und Größe der Ballen und ihre Stellung im Verhältnis zueinander achten. Meist lässt sich Spurstellung entnehmen, um welches Tier es sich handelt (z.B. Rotfuchs und Hase). Aus der Spurstellung ist ebenfalls zu entnehmen, wie sich das Tier bewegte und welche Gangart es benutzt hat (Bang & Dahlström, 1973).

 

Nach Sulkava (2007) ist die Erfassung von Spuren im Schnee (neben Losungen und anderen Spuren oder Zeichen) eine Methode um die Population von Fischottern (Lutra lutra) einzuschätzen, da die Tiere im Winter zwischen eisfreien Gewässern hin und her wandern. jedoch erfordert diese Methode einen Winter mit langem Eis und Schnee-Vorkommen.

 

Literatur zur Spurenbestimmung:

Sulkava, R. (2007). Snow tracking: a relevant method for estimating Lutra lutra populations. Wildlife Biology, 13(2), 208-218. 

 

Usinger, A. (1979). Fährten Spuren und Geläufe. 4. Unveränderte Auflage, F.C Mayer Verlag, München 134 S.

 

Zielinski, W. J. & Kucera, T. E. (1995). American marten, fisher, lynx and wolverine: surves methods for their detection. US: Pacific SouthWest Research Station.

  

Hasenspuren im Schnee.
Foto: Birte Sänger

Losungen

 

Sie bestehen aus teilweise verdautem Material und unverdaulichen Teilen von Pflanzen und Tieren (z.B. Federn, Knochen, Zähne, Klauen, Chitin, Samen und Pflanzenmaterial) (Abb. 1). Die Untersuchung von Losungen von terrestrischen Säugetieren bringt biologische und ökologische Daten hervor. Zufällig abgesetzt zeigen sie das individuelle Revier oder den Lebensraum einer Gruppe an (Hasenartige, manchen Huftieren oder manchen Nagetieren). Losungen in kleinen Mengen werden auch für die Markierung des Reviers verwendet.

 

Sie stellt eine nicht invasive Methode dar und ist auch für bedrohte Arten oder Arten, die schwer zu beobachten, zu fangen oder nachtaktiv sind, anzuwenden. Nach Webbon et al. (2004) ist die Erfassungsmethode durch Zeichen, wie Losungen, für ein großes Artenspektrum sowie für verschiedene Populationsdichten und Habitate anzuwenden. Die Bodenbeschaffenheit, die Vegetation und lokale Wetterbedingungen beeinflussen das Auffinden von Losungen. Für die eindeutige Identifizierung muss die ursprüngliche Form erhalten sein. (Chame 2003; Bang & Dahlström 1975).

 

Bei dieser Erfassungsmethode kann es zu Problemen bei dem Finden von Losungen (z.B. bei geringen Populationsdichten der Zielart) kommen oder zu dem Verlust von Losungen durch das Entfernen der Losung durch andere Arten. Das Verschwinden durch schlechte Wetterbedingungen und schwere Regenfälle sowie die Überdeckung durch Blätter auf dem Boden kann ebenfalls das Finden behindern. Des Weiteren kann die Absetzung der Losungen abhängig von der Position innerhalb des Reviers sein (Kern oder Rand). Zudem muss der Feldarbeiter fähig sein, die Losungen der verschiedenen Arten eindeutig bestimmen zu können (Lynch et al. 2006).

 

 

Autorin: Birte Sänger, 04.01.2014

 

Losung vom Wolf (Canis lupus).

Foto: Birte Sänger


Bang, P. & Dahlström, P. (1973). Tierspuren: Tiere erkennen an Fährten, Fraßzeichen, Bauen und Nestern. BLV Verlagsgesellschaft,

München, Bern, Wien, 240 S.

 

Chame, M. (2003). Terrestrial Mammal Feces: a Morphometric Summary and Description. Memórias do Istituto Oswaldo Cruz, 98, 71-94.

 

Eisenhardt, B. (1953). Fährten- und Spurenkunde. Ein Hilfsbuch für den Jäger und für den Naturfreund. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, 133 S.

 

Lang, A. (2008). Spuren und Fährten unserer Tiere. BLV Verlagsgesellschaft, 128 S.

 

Lynch, Á. B., Brown, M. J. F., Rochford, J. M. (2006). Fur snagging as a method of evaluating the presence and abundance of a small carnivore, the pine marten (Martes martes). Journal of Zoology, 270 (2), 330-339.

 

Webbon, C. C., Baker, P. J., Harris, S.(2008). Feacal density counts for monitoring changes in red fox numbers in rural Britain. Journal of Applied Ecology, 41, 768-779.