Fledermausdetektoren

 

Felderhebungen von Fledermäusen können Informationen liefern, die für die Erhaltung einer Art erforderlich sind. Daten über Artvorkommen, bevorzugte Höhenbereiche und Habitatnutzung eines bislang kaum untersuchten Gebietes können als wichtige Datengrundlage dienen (Barlow, 1999).

 

In vielen Ländern benötigt man vor der Erfassung von Fledermäusen eine Genehmigung. Fledermäuse sollten mit äußerster Vorsicht behandelt werden und nicht ohne Grund gefährdet werden, da Populationen stark durch Faktoren beeinflusst werden können, die eine Reduzierung der Anzahl an Fledermäusen zur Folge haben. Dies ist auf die Langlebigkeit, niedrige Furchtbarkeit und langsame Entwicklung der Tiere zurückzuführen (Barlow, 1999).

 

Fledermäuse sind durch direkte Beobachtungen nur schwer zu erfassen, da sie allgemein nachtaktiv sind. Zwischen Anfang Mai und Ende August können Fledermäuse erfasst werden. Die meisten Arten zeigen zudem ein Aktivitätsmuster.  So können sie zu bestimmten Zeiten vermehrt beobachtet und gefangen werden. Einer dieser Zeitpunkte ist, wenn die Fledermäuse den Schlafplatz verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Dies ist normalerweise nach Einsatz der Dämmerung der Fall (Barlow, 1999; Resource Inventory Committee 1998).

 

Zur genauen Identifizierung müssen die Fledermäuse oft gefangen werden. Bei Fangtechniken kann die Erfassung durch Vogelnetze oder Harfen Fallen erfolgen.

 

Da keine Technik alle Fledermausarten angemessen erfassen kann, ist eine Kombination mehrerer Methoden empfehlenswert.  Je nachdem welche Daten erhoben werden sollen (Präsenz/Absenz, relative Abundanz, absolute Abundanz), können die Methoden unterschiedlich kombiniert werden (Tab.1) (Resource Inventory Committee, 1998).

 

Tab.1: Empfehlenswerte Kombinierung von verschiedenen Erfassungsmethoden, um Daten über Präsenz/Absenz, relativer Abundanz sowie absoluter Abundanz zu erhalten.

 

 

Daten Empfohlene Kombinierung der Techniken

Präsenz/ Absenz                   Fang- Techniken (mit Vogelnetzen oder Harfen Fallen) mit gleichzeitiger Ultraschallerkennung

Relative Abundanz               Fang- Techniken (mit Vogelnetzen oder Harfen- Fallen) mit gleichzeitiger Ultraschallerkennung

Absolute Abundanz              Quartier- Zählungen; in Verbindung mit Radio- Telemetrie möglich um Quartiere zu lokalisieren

 

 

Vogelnetze

 

Das Fangen mit Vogelnetzen ist die am häufigsten verwendete Methode zur Erfassung von Fledermäusen (Kunz & Kurta 1988). Die Netze sind in der Regel schwarz und variieren in ihrer Größe und Länge. (Resource Inventory Committee 1998). Die Vogelnetze werden mit Hilfe von Stangen aufgestellt. Die Position des Netzes beeinflusst den Fangerfolg. Daher sollte das Netz über Wegen oder Flüssen und Bächen aufgestellt werden, wenn diese als Flugrouten bekannt sind. Eine über das Netz überhängende Vegetation und die Aufstellung zweier Netze in Form eines V kann den Fangerfolg steigern (Barlow, 1999). Vorteile sind, dass die Netze leicht, gut transportabel und einfach aufzustellen sind. Das Befreien der Fledermäuse aus den Netzen kann sehr zeitintensiv sein und ist somit möglicherweise schädlich für die Tiere. So sollten die Netze regelmäßig kontrolliert werden oder ständig beobachtet werden. Verbleiben die Fledermäuse lange in den Netzen, so können sie sich verletzen und versterben (Barlow 1999).

 

Diese Fallen bestehen aus zwei Aluminium Rahmen, jeweils mit straff aufgereihten Fäden. An der Unterseite der Rahmen ist ein Fangbeutel befestigt, um die Fledermäuse zu sammeln (Abb. 1). Die Falle wird mit Aluminiumbeinen aufgestellt oder mit Seilen aufgehängt. Die Fallen arbeiten nach dem Prinzip, dass die Fledermäuse die Fädenreihen nicht erkennen können, zwischen den Fäden hängen bleiben und zwischen den Fäden hindurch in den Fangbeutel fallen. Dieser kann mit Polyethylen ausgekleidet sein, um die Fledermäuse am Fliehen zu hindern.

Vorteile sind, dass die Tiere einfach aus der Falle zu entnehmen sind und das Risiko für Verletzungen verringert ist. Jedoch lässt sich die Harfen-Falle weniger einfach transportieren und besitzt eine kleinere Fangoberfläche als bei Vogelnetzen. Im Gegensatz zu Vogelnetzen können Harfen-Fallen allerdings aufgestellt und für einige Zeit unbeobachtet gelassen werden (Barlow 1999; Resource Inventory Committee 1998).

Weitere Methoden zur Erfassung von Fledermäusen sind das Markieren von einzelnen Individuen sowie die Verwendung von Radio-Telemetrie oder Ultraschalldetektoren.

 

Markierung von Fledermäusen

 

Für die Markierung von Fledermäusen können verschiedene Techniken angewendet werden. Beispiele sind unter anderem Flügelbänder, Halsbänder oder leuchtende Kennzeichnungen. Für Erfassungsprojekte, die nur für einen kurzen Zeitraum durchgeführt werden sollen, sind permanente Markierungen von Fledermäusen nicht notwendig, da die meisten Techniken sehr zeitintensiv sind und die Tiere verletzen können. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit des Wiedereinfangens einer ausreichenden Anzahl an Tieren für die Einschätzung der Population gering, da meist nur eine kleine Anzahl an Fledermäusen wieder gefangen werden kann. Für Langzeitstudien hingegen können Markierungen angewendet werden, insbesondere wenn die Populationsgröße und Dichte eingeschätzt werden soll (Barlow, 1999). 

 

Das Kürzen vom Fell verschiedener Bereiche der Rückenpartie ist eine temporäre Markierung, die die Identifizierung von Individuen über einen Zeitraum von ein paar Wochen erlaubt. Sie kann auch für Kurzzeitstudien angewendet werden. Leuchtende Markierungen werden mit Hilfe von Hautklebstoff am Rücken der Fledermäuse befestigt. Dieser Klebstoff ist ungiftig und kann innerhalb von ein paar Tagen von der Fledermaus abgeputzt werden. Die Markierung lässt sich abhängig von der Vegetation des Untersuchungsgebiets aus bis zu 200 m Entfernung erkennen. Durch diese Technik können Daten über Habitate der Nahrungssuche, Reichweite der Nahrungssuche und Flugverhalten gesammelt werden (Barlow, 1999). 

 

Radio-Telemetrie 

 

Um Bewegungen, Aktivitätsmuster und Verhalten bei der Nahrungssuche zu untersuchen, wird häufig Radio-Telemetrie verwendet. Durch Fledermäuse, die in ihren Jagdgebieten gefangen und markiert wurden, kann diese Methode auch verwendet werden, um Schlafplätze zu finden. Jedoch ist es eine sehr kosten- und arbeitsintensive Erfassungsmethode. Um diese Erfassungsmethode richtig zu beherrschen, erfordert es viel Übung, besonders da sich Fledermäuse nachts sehr schnell in dichter Vegetation bewegen. Zudem erfordert auch die Anbringung des Radio-Transmitters an das Tier besonderes Geschick, da fehlerhaftes Anbringen die Flugfähigkeit einschränken kann. Diese Methode ist für Kurzzeitstudien ungeeignet, es sei denn die Beobachter besitzen ausreichend Erfahrung im Umgang mit Radio-Telemetrie (Barlow, 1999).

 

Ultraschalldetektoren

 

Fledermäuse senden Ultraschallsignale aus, um sich zu echolokalisieren (Vaughan et al. 1997). Dabei senden sie eine Reihe von Rufen aus und nehmen das wiederkehrende Echo war. So sind Fledermäuse in der Lage, Objekte oder Beutetiere zu lokalisieren. Die Signale der Echoortung haben eine Frequenz, eine Dauer und eine Intensität. Unterschiede in diesen Merkmalen erlauben die Identifizierung einer begrenzten Anzahl an Arten (Fenton & Bell 1981), da manche Arten die Fähigkeit besitzen ihre Echoortungsrufeigenschaften in Abhängigkeit des Habitattyps zu ändern (Resource Inventory Committee, 1998). 

Durch Verwendung von Detektoren können die Ultraschallsignale in einen für den Menschen hörbaren Bereich umgewandelt werden (Vaughan et al. 1997). Die Erfassungsmethode mit Ultraschalldetektoren kann verwendet werden, um Gebiete mit hoher Fledermausaktivität zu lokalisieren. Detektoren können verwendet werden, um Insekten fressende Fledermausarten zu orten. Zudem können durch Echoortungs-Rufe einzelne Arten identifiziert werden. Es ist allerdings nicht möglich, die genaue Anzahl an Fledermäusen zu bestimmen. Dies erfordert teurere Ausrüstung und Ton-Analyse-Software und ist daher weniger für Kurzzeitstudien geeignet (Barlow, 1999).

 

 

Autorin: Birte Sänger, 04.01.2014

 

Abb. 1: Harfen- Fallen positioniert auf einem Weg am Eingang einer Höhle.

Bild: Ressource Invenntory Committee (1998)

 


 

Barlow, K. (1999). Expedition Field Techniques. Bats. Londra, The Expedition Advisory Centre, Royal Geographical Society, 73 S.

 

Fenton, M. B., and Bell, G. P. (1981). Recognition of species of insectivorous bats by their echolocation calls. Journal of Mammalogy, 62 (2), 233-243.

 

Kunz, T. H. & Kurta, A. (1988). Capture methods and holding devices. In: Kunz, T. H., ed. Ecological and behavioural methods for the study of bats, Washington, DC.Institution Press. pp. 1-28.

 

Resource Inventory Committee (1998). Inventory methods for bats: Standards for components of British Columbia’s biodiversity No. 20, 58 S. 

 

Vaughan, N., Jones, G. & Harris, S.(1997). Habitat use by bats (Chiroptera) assessed by means of a broad-band acoustic method. Journal of Applied Ecology, 34 (3)